Tipps zur Erstellung einer Choreographie

1. Erstellen einer Choreographie
1.1. Musikauswahl
1.2. Auszählen der Musik
Musikstücke bestehen häufig aus:
Einleitung
Hauptteil, in Strophen unterteilt
Finale
1.2.1. Takte
Möglichkeit des Auszählens z.B. 4/4 Takt
I I I I     I I I I
1 2 3 4  1 2 3 4
usw.

Es ist sinnvoll, alle Takte auszuzählen und aufzuschreiben. Das Zuordnen einzelner Bewegungen und Kombis wird wesentlich erleichtert. Bei Paar- bzw. Gruppentänzen kann hiermit sehr gut  an der Synchronität gearbeitet werden.
1.2.2. Strophen, Refrain....
Einzelne Abschnitte, Einleitung, Refrain, Strophen usw. können Bezeichnungen erhalten.
z.B.
Einleitung (instrumental)
I I I I     I I I I
1 2 3 4  1 2 3 4
Wdh.
I I I I     I I I I
1 2 3 4   1 2 3 4

Hauptteil:
Thema 1 Vocal (Frau)
I I I I     I I I I
1 2 3 4  1 2 3 4

I I I I    I I I I
1 2 3 4  1 2 3 4

Refrain (instr.)
I I I I    I I I I
1 2 3 4  1 2 3 4

I I I I    I I I I
1 2 3 4  1 2 3 4

Zwischenteil
I I I I    I I I I
1 2 3 4  1 2 3 4

usw.
1.3. Sammeln von Bewegungen
Sinnvoll ist es, den einzelnen Passagen des Liedes Bewegungen oder Kombinationen zuzuordnen.
Sammeln von verschiedenen Möglichkeiten, auch wenn diese später nicht benutzt werden.
Möglichst sollte man sich nicht mit den eigenen Lieblingsbewegungen beschränken sondern versuchen, Alternativen zu suchen.
 
1.4. Zuordnen von Bewegungen
Hat man zu allen Passagen genügend Vorschläge, können diese auf das gesamte Lied verteilt werden. Hierbei kann zunächst mit einer sich wiederholenden Passage begonnen werden. Bei der Zusammenstellung sollte beachtet werden:
- Wiederholungen und Variationen bei gleicher Musik
– Statische und dynamische Bewegungen
– Tanz auf verschiedenen Körperebenen (Arm, Becken, Schritt)
– Spannung und Entspannung
- extrovertiert und introvertiert
– Übergänge von verschiedenen Bewegungen
- Raumwege und Richtungswechsel
 
1.5. Schreiben der Choreographie
Die Bewegungen können nun den ausgezählten Takten zugeordnet werden(dies kann auch in Tabellenform geschehen)
z.B.: Thema 1
1 2 3 4         1 - 2 Hipdrop re., 3 - 4 Hipdrop li.
1 2 3 4         1 - 4 Pendel re-li-re-li
1 2 3 4         1 - 2 Drehung re. (gekreuzt), 3-4 Arme hoch nehmen
                  
Hierzu können auch Richtungszeichen gegeben werden,
z.B.  Blickrichtung ,  Laufrichtung,  Drehrichtung
1.6. Durchführung
1.6.1 Spannungsaufbau
In einer Choreographie sollte ähnlich wie in einem Buch oder in einem Film, Spannung aufgebaut werden.
Einleitung: Spannung durch warten (off stage) oder Spannung durch statische Anfangspose
Eröffnung: Publikum in den Bann ziehen
- Raum abschreiten
- Publikum begrüßen
Beim Eröffnungsteil sollte mit der Technik noch etwas sparsam umgegangen werden. Das Publikum ist  zunächst mit dem Betrachten der Tänzerin und deren Kostüm beschäftigt, es kann oft ausgefeilter Technik noch nicht folgen. Eine Eröffnung hat meistens längere Laufpassagen.
Hauptteil: Je nach Musikstück Technik oder/und Gefühl ins Spiel bringen. Hier kann die Tänzerin ihr ganzes Können zeigen. Vorsicht - das Publikum braucht auch hier zwischen durch Ruhephasen um den Tanz zu genießen.
Finale: Erneuter Spannungsaufbau z.B. durch Drum-Solo oder erneutes Aufgreifen des Anfangsthemas. Z.B. wieder aufnehmen des weggelegten Schleiers.

Eine Choreographie kann erst durch das Ausprobieren endgültig erstellt werden.
Sind die Figuren tanzbar, kombinierbar, wie wirkt das Gesamtbild (Videoaufnahme!)?
1.6.2. Raumnutzung
Steht zu Beginn bereits fest, ob die Choreografie für die Bühne oder einen Gastraum erstellt werden soll, kann bereits im Vorfeld auf die Raumaufteilung geachtet werden.
Bei einem Bühnentanz sollte die ganze Fläche der Bühne genutzt werden und genügend Lauf- oder Drehpassagen eingeplant werden. . Hierdurch erhält das der Tanz  Dynamik. 
Ruhigere Passagen am Platz sollten mit dynamischen Positionswechsel abwechseln.
Bei der Raumnutzung sollten Punkte mit starker und schwacher Wirkung auf das Publikum berücksichtigt werden. Hierzu gibt es Fachliteratur.

Bei Tänzen für Restaurants und ähnlichen Gelegenheiten ist zu bedenken, dass eine Choreografie immer flexibel sein muss. Es kann vorkommen, dass man plötzlich auf 4 qm Tanzfläche tanzt und hierbei noch 2 Säulen im Weg stehen. Eine Choreografie kann somit nur ein Gerüst sein, das je nach Bedarf verändert wird.
1.7. Besonderheiten
Auszählen und Schreiben einer Choreographie für Trommelsolo
Hierzu kenne ich 2 Möglichkeiten:
1. Erstellen einer Art Steno für Drum
Nachdem die Takte ausgezählt sind, können Kürzel benutzt werden,
z.B. - - - - für kurze harte Schläge (tak-tak-tak-tak-)
_ _ _ _für tiefe Schläge (dum – dum – dum –dum)
@@@@ für typische Hulas
~~~~~~~ für aneinander gereihte Schläge
2. Ausschreiben der Trommel-Rhythmen
z.B. D D tct D tct
taketac, taketac, taketac, pause
1.8. Gruppenchoreographien
1.8.1. Raumplan
Zusätzlich zur geschriebenen Choreographie sollte ein Raumplan gemacht werden. Wie bewegt sich welche Tänzerin durch den Raum.
Welche Endpositionen entstehen bei den einzelnen Sequenzen.
1.8.2. Abfolge im Tanz
Eine Gruppenchoreographie besteht nicht nur aus einem Tanz von mehreren Tänzerinnen getanzt.
Es sollte ein Wechsel entstehen von
- miteinander tanzen, (d.h. für die Partnerin, nicht fürs Publikum)
– nebeneinander tanzen
– gegeneinander tanzen (Spannung aufbauen durch eine Art Konkurrenz bzw. Frage-Antwort-Spiel)
– nacheinander tanzen (wiederholen )
1.8.2 Synchronität
Gruppentänze wirken durch die Vielzahl von Tänzerinnen anders als Solos.
Um eine Synchronität zu gewährleisten, sollte die Technik etwas reduziert werden. Einfache, klare Bewegungen , sauber getanzt wirken besser als zu schnelle, komplizierte Bewegungsabläufe.
Wichtig: Die Gruppe muss sich am schwächsten Glied orientieren. Stärkere Tänzerinnen müssen  sich etwas zurücknehmen
Ein einheitliches Bild kann durch die Kostüme unterstüzt werden.
– farbliche Harmonie, z.B. unterschiedliche Kostüme, aber in einer Farbe oder alle in pastell usw.
- Einheit der Kostüme, d.h. Gruppenkostüme in unterschiedlichen Farben.
- identische Kostüme in Farbe und Schnitt


Auch einfache Kostüme wirken in der Gruppe, z.B. Body oder Bustier und Rock.
1.8.3. Formationen
Gruppentänze leben durch den Formationswechsel. Es gibt nichts langweiligeres als Tänzerinnen die nur nebeneinander stehen.
Formationen können sein:
*  *   *   *    *   Reihe                              


     *
     *          Linie hintereinander
     *
     *

*               *
    *       *             V-Form
         *

         *
    *         *           A-Form
*                 *

Außerdem Kreis, Halbkreis, und Kombinationen aus
den genannten Formationen
*
    *
        *           schräge Reihe
            *           

*        *        *          Zick-Zack
     *         *


*    *                  *           Block/Raute
*    *              *      *
                           *
Es kann sehr spannend sein, Übergänge von einer zur anderen Formation zu kreieren.
Wichtig ist aber immer, dass die Formationen sauber stehen und gut erkennbar sind. 
 
Noch ein ganz privater Tipp von mir:  
Ich mache zu wichtigen Auftritten immer eine Choreographie. 
Wenn ich sie kann, vergesse ich sie wieder. Es ist für mich nicht wichtig, eine Choreographie zu tanzen, sondern vielmehr sie zu erstellen.
Hierdurch bin ich gezwungen, mich mit der Musik und meinen tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten auseinander zu setzen. Ich kann meinen Tanz dann je  nach Raumangebot, Publikum und Stimmung  verändern, frei  improvisieren oder wieder auf die Choreographie zurück greifen.



© Amira Mona
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 27.04.08